Eine Reise nach Ägypten

von Dr. Ernst Dörffel

liebe Club-Freunde,

in der Welt geschieht im Augenblick sehr viel. Von saurer Gurkenzeit kann man deshalb kaum sprechen. An diesen Hundstagen denken viele lieber an kühle Wintertage oder an gemütliche Stunden mit einem Glase Rotwein am knackenden Kamin. Uns zog es damals in den Süden. Da unsere Ansichtskarten nur teilweise ankamen, hier "auf Wunsch eines einzelnen Herrn" noch mal ein kurzer Bericht unserer Reise nach Ägypten. Durch den 11. September hatten wir unsere geplante Reise verschoben. An Gewalt und Terror haben wir natürlich auch mal gedacht. Ich glaube aber weniger, als die Fernsehzuschauer in Deutschland, die ständig damit auf dem Bildschirm konfrontiert werden..

Die Menschen auf dem Sinai und in Ägypten waren freundlich bis herzlich ohne jegliches ablehnendes oder vielleicht aggressives Verhalten. Nur die allgegenwärtige Präsens von Polizei und Militär an jeder Ecke , an jedem Tempel, vor jedem Hotel, an jedem Anlegesteg erinnerte uns daran, dass eine latente Gefährdung besteht.. Aber, wo wäre sie nicht? Höhepunkte waren:

  • Die Fahrt durch den Sinai mit dem Katharinenkloster und der Besteigung des Moses-Berges. 2.00 Uhr wurden wir geweckt und dann ging es bei hellem Mondschein unter funkelnden Sternen auf den Berg. Wir ritten 2/3 des Weges auf Kamelen, die letzten 700 Stufen eines schluchtartigen Weges ging es zu Fuß. Kurz vor 6 Uhr waren wir auf dem Gipfel (2285 m) und erlebten den Sonnenaufgang über dem Sinai-Gebirge. Rot glühten die Berge. Ca 3500 Jahre früher war Moses 40 Tage hier oben und hatte die 10 Gebote empfangen, nach denen wir uns noch heute bemühen zu leben.Vor ca 1370 Jahren setzte von hier oben das Pferd von Mohammed mit ihm zum letzten Sprung ins Paradies ab. Mit uns waren weitere ca 400 Pilger, die sich zwischen der kleinen Kapelle, der kleinen Moschee, den Getränkebuden und den auf gemieteten Matratzen in Schlafsäcken schlafenden Touristen auf dem kleinen Plateau drängten. Viele sahen den Sonnenaufgang nur durch die gestaffelten Reihen der vor ihnen stehenden. Für uns war das Schönste deshalb der Aufstieg unterm Firmament mit der hell strahlenden Venus und dem Merkur (?) im Osten vor der aufgehenden Sonne. So werden sich die Weisen aus dem Morgenland gefühlt haben.

  • Die 17 Millionenstadt Kairo, ein Moloch.
  • Die Pyramiden muß man erlebt haben; ein Foto oder Bild kann diesen gewaltigen Eindruck nicht vermitteln. Diese 4000-5000 Jahre alte Kultur, die scheinbar aus dem Nichts auftauchte, ist beeindruckend und stimmt sehr nachdenklich. Vielleicht lebten auch einige unserer Vorfahren damals dort? Während die anderen im Neandertal lebten? Am meisten hat mir aber auch die uns bis jetzt nicht völlig bekannte Technik imponiert, mit der diese bis zu 100 Tonnen schweren Steine, Quader aus dem Felsen herausgeschlagen, transportiert und aufgeschichtet worden sind. Alles ohne Eisen, ohne Kraftmaschinen, nur mit Hebelphysik.

  • Geruhsam war die Fahrt auf dem Nil, auf dem Assuan-Stausee und romantisch eine Segelpartie auf einer Feluke um die Insel Elephantine. Wegen abendliche Windstille mußte ich dann noch rudern.

  • Ein unvergessliches Erlebnis war an einem Abend der Kauf von Seidentüchern auf dem Basar für Einheimische in der kleinen Provinzstadt Esna. Der Kauf war dramatisch, lockte die Polizei heran, endete aber zu unserer und der Händler Zufriedenheit. Es war ein orientalischer Basar , wire in "Tausend und eine Nacht", voller Lärm, mit den vielfältigsten Farben und allen fremdartigen Gerüchen Arabiens. Prachtvolle Marmorpaläste standen neben zusammenstürzenden Lehmbuden. Die Läden voller verschiedenster Gewürze, Parfüme und Arzneimittel gegen alle möglichen Beschwerden. Daneben der Laden für Waschmaschinen und Fernseher. Der originellste Rufer war für mich: " Winterschlussverkauf!! Viagra !! Winterschlussverkauf!! " Er kannte wohl seine Rentner-Kunden aus Europa.

Ich muß nun doch noch altägyptische Weisheit und Weltsicht loswerden. Der redekundige Oasenmann schrieb vor 4000 Jahren :

"Die Richtschnur der Welt ist das gerechte Handeln"

Und vor 3202 Jahren wünschte man:

"Mögest du leben, heil und gesund sein! Nie sollst du arm, nie in Not sein. kein Elend komme über dich... Was dein Auge sieht sei gut, was dein Ohr hört sei angenehm... Du sorgst dich um so Vieles. Deine Hand reichst du dem , der schwach ist, du richtest den auf, der gefallen ist. Du stehst, aber dein Feind stürzt! Du trittst vor die Götter, und kommst heraus als einer, der gerechtfertigt ist."

In diesem Sinne wünsche ich allen noch einen schönen Sommer und eine gute Zeit danach.

Dörffel
Zurück!